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Wirtschaftliche Hilfen und Liquiditätsplanung

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 18. September 2020


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Zahlungsfähig bleiben und Liquidität zielgenau einsetzen:
Anregungen zur wirtschaftlichen Betrachtung und Hinweise zur Liquidität 

Auch Thüringer Zahnarztpraxen werden im Laufe des Jahres 2020 die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Schutzmaßnahmen zu spüren bekommen. Zahnärztinnen und Zahnärzte sollten deshalb als Unternehmer die voraussichtlichen wirtschaftlichen Einschnitte weitsichtig planen und im Verlauf des gesamten Jahres 2020 regelmäßig anpassen. 

Die Steuerung der eigenen Liquidität ist ein wichtiges Instrument der vorausschauenden Planung, um sowohl die unternehmerische als auch die private Zahlungsfähigkeit zu erhalten. Eine solche Liquiditätsplanung kann dabei in groben Zügen selbst erstellt werden, denn grundsätzlich kennt jeder Praxisinhaber sein Einnahme- und Ausgabeverhalten am besten. Zusätzlich kann ein Steuerberater unterstützend hilfreich sein. 

Eine grobe Liquiditätsabschätzung für die Praxis und den privaten Bereich kann wie folgt vorgenommen werden: Anhand der Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) zum 31. Dezember 2019 und mit den persönlich abgeschätzten Veränderungen kann sich jeder Praxisinhaber einen ersten Überblick verschaffen, wie sich das Jahr 2020 entwickeln könnte. 

Die Landeszahnärztekammer Thüringen stellt hierfür ein unverbindliches Berechnungsbeispiel als Excel-Datei bereit. Sicher kann auch ein Steuerberater entsprechende Muster zur Verfügung stellen. 


Ergänzende Hinweise zur Liquidität

1. Liquidität zielgenau einsetzen!

  • Vorhandene und/oder hinzukommende Geldmittel sollten entsprechend des voraussichtlichen Bedarfs geplant werden. 
  • Ein hoher Bankkontobestand zum jetzigen Zeitpunkt ist zwar beruhigend, aber möglicherweise später nicht mehr vorhanden, wenn tatsächlich Zahlungen zu leisten sind. 
  • Solange laufende Einnahmen erfolgen (monatliche Abrechnungen der KZV, Patientenzahlungen), sollten möglichst auch laufende Ausgaben bedient werden. 


2. Stundungen

  • Derzeit werden von vielen Institutionen Stundungen angeboten und Stundungsanträge bewilligt, um die kurzfristige Liquidität der Unternehmen zu erhalten. 
  • Aber: Stundungen sind keine erlassenen Zahlungen! Alle gestundeten Beträge müssen später trotzdem gezahlt werden. 
  • Dies birgt ein hohes Risiko, zeitversetzt genau dann in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten, wenn die abgerechneten Honorare nicht mehr ausreichen, um die gestundeten Zahlungen zu begleichen.
  • Derzeit sind Stundungen möglich bei:
    - Steuer-Vorauszahlungen
    - Sozialversicherungsbeiträgen
    - Mieten
    - Darlehen.


3. Kredite

  • Fremdfinanzierungen zur Erhaltung der Liquidität sollten mit der Bank besprochen und vorgehalten werden. Derzeit werden beispielsweise über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zinsgünstige Kredite vergeben, um Unternehmen bei der Liquiditätserhaltung zu unterstützen. 
  • Der Kontokorrentkredit könnte über einen längeren Zeitraum in Absprache mit der Bank vorsorglich erhöht werden. Bei Kontokorrentkrediten sind mögliche hohe Zinsbelastungen zu beachten! 
  • Aber: Kredite müssen später über eine längere Laufzeit zurückgezahlt werden. Daher sollte genau geprüft werden, ob und in welcher Höhe sie in Anspruch genommen werden. 
  • Durch die derzeit sehr zinsgünstige Darlehensvergabe kann ein (Überbrückungs-)Kredit eine sinnvolle Alternative zu möglichen Stundungen sein. 


4. Zuschüsse und Kredite, bei denen Notlage bestätigt werden muss

  • Bei einer Antragstellung muss in der Regel an Eides statt versichert werden, dass bereits zum Zeitpunkt der Antragstellung eine wirtschaftliche Notlage besteht bzw. unmittelbar bevorsteht.  
  • Falschangaben können als Straftat, dem sogenannten Subventionsbetrug, gewertet werden. Zu Unrecht beantragte Zuschüsse und ausgezahlte Fördermittel müssen später unter Umständen sogar verzinst zurückgezahlt werden. 
  • Jeder Antragsteller sollte daher in eigenem Interesse genau prüfen, ob die notwendigen Antragsvoraussetzungen tatsächlich vorliegen. 


5. Zuschüsse

  • Zuschüsse werden vom Zuschussgeber (Bund oder Land Thüringen) unter bestimmten Voraussetzungen gezahlt. Sie müssen nicht zurückgezahlt werden. 
  • Derzeit gibt es in Thüringen keine Förderprogramme zur Bewältigung der Corona-Folgen, bei denen Zuschüsse für Zahnärztinnen oder Zahnärzte gezahlt werden. 
  • Die Landeszahnärztekammer Thüringen hat bereits mehrfach die Landesregierung aufgefordert, die Zuschüsse auch für Zahnärzte zugänglich zu machen. Eine Antwort steht noch aus.

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Wirtschaftliche Soforthilfen

Wirtschaftliche Hilfe des Landes Thüringen

Seit dem 5. April 2020 sind auch Zahnarztpraxen im Soforthilfeprogramm des Landes berücksichtigt. Im Antragsformular der Thüringer Aufbaubank ist die vierstellige Branchen-Nummer „8623 Zahnarztpraxen“ auswählbar. Antragsberechtigt sind die im Haupterwerb tätigen Angehörigen der freien Berufe, die ihre Tätigkeit vor dem 16. Februar 2020 aufgenommen haben.

Allerdings muss bereits zum Zeitpunkt der Antragsstellung ein wirtschaftlicher Härtefall vorliegen sowie die Schadenshöhe beziffert und mit einer eidesstattlichen Erklärung versehen werden. Für Thüringer Zahnarztpraxen dürfte daher eine tatsächliche wirtschaftliche Härte bereits zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der weiterlaufenden (Abschlags-)Zahlungen der KZV nicht nachweisbar sein.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Antrag ist, dass die voraussichtlichen fortlaufenden Einnahmen nicht ausreichen, um die in den auf die Antragstellung folgenden drei Monaten aus dem erwerbsmäßigen Sach- und Finanzaufwand (bspw. gewerbliche Mieten, Pacht, Leasingaufwendungen) zu zahlenden Verbindlichkeiten zu begleichen (Liquiditätsengpass). Nicht zum Sachaufwand gehören Personalaufwand und kalkulatorischer Unternehmerlohn. Die Beiträge zur Krankenversicherung und Alterssicherung des Zahnarztes können als Sachaufwand behandelt werden. Falls dem Antragsteller im Antragszeitraum ein Miet- bzw. Pachtnachlass von mindestens 20 Prozent gewährt wurde, kann er den fortlaufenden betrieblichen Sach- und Finanzaufwand nicht nur für drei, sondern für fünf Monate ansetzen.


Wirtschaftliche Hilfe des Bundes

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Ansprechpartner

Sandra Bäumer
Praxisführung, BuS-Dienst, Validierung, Hygiene
Telefon 0361 7432-133
E-Mail

Michael Westphal
Recht, Justiziariat
Telefon 0361 7432-112
E-Mail


Die vorstehenden Orientierungshilfen geben unverbindliche Vorschläge, Muster, Erläuterungen und Anhaltspunkte zur individuellen Umsetzung in der Zahnarztpraxis. Die benannten Maßnahmen und Arbeitsabläufe müssen deshalb vom Praxisinhaber überprüft und den jeweiligen Praxisverhältnissen vor Ort angepasst werden. Die Landeszahnärztekammer Thüringen übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Angaben.

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