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Praxisführung, Hygiene und zahnärztliche Behandlung

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 30. Dezember 2020


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Antigen-Schnelltestung der in Zahnarztpraxen tätigen Personen

  • Zahnärzte dürfen in der eigenen Praxis tätige Personen einmal wöchentlich durch einen PoC-Antigen-Schnelltest testen. Dies schließt auch externe Dienstleister ein.
  • Die Testung von Patienten vor einer zahnärztlichen Behandlung ist nicht erlaubt.
  • Für Vertragszahnärzte betragen die abrechenbaren Sachkosten für selbst beschaffte Schnelltests höchstens 9,00 Euro je Test.

Am 2. Dezember 2020 ist eine geänderte Coronavirus-Testverordnung in Kraft getreten.

Darin wurde präzisiert, dass Zahnärzte zur PoC-Antigen-Schnelltestestung nicht wie bisher nur ihrer Praxisbeschäftigten, sondern zur Testung aller in der Praxis tätigen Personen berechtigt sind. Somit sind auch kurzfristig tätige Angestellte externer Dienstleister (z.B. Reinigungskräfte, Techniker usw.) umfasst. Die Testung von Patienten vor einer zahnärztlichen Behandlung ist weiterhin nicht erlaubt.

Die Schnelltests können regelhaft vorsorglich für jeden Tätigen einmal pro Woche durchgeführt werden. Hierzu können Zahnarztpraxen bis zu zehn Schnelltests pro Monat und Tätigen in eigener Verantwortung beschaffen und nutzen.

PoC-Antigen-Schnelltests müssen die durch das Paul-Ehrlich-Institut und das Robert-Koch-Institut festgelegten Mindestkriterien erfüllen, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte veröffentlicht hat.

Eine Pflicht der Praxen zur Durchführung von Schnelltests besteht nicht. Schnelltests dürfen nur bei asymptomatischen Personen durchgeführt werden. Ein positives Ergebnis eines Schnelltests muss dem zuständigen kommunalen Gesundheitsamt gemeldet und die betreffende Person an ihre Hausarztpraxis zur ggf. weiteren Abklärung mittels PCR-Test verwiesen werden.

Die Höhe der durch Vertragszahnarztpraxen abrechenbaren Sachkosten für selbst beschaffte Schnelltests wurde von höchstens 7,00 auf höchstens 9,00 Euro je Test angehoben. Zur Abrechnung hat die KZV Thüringen mit der KV Thüringen ein vereinfachtes Verfahren vereinbart und allen Thüringer Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzten mit Sonderrundschreiben vom 20. November 2020 mitgeteilt.

Unabhängig von den genannten Regelungen für PoC-Antigen-Schnelltests haben weiterhin alle Personen nach Festlegung des behandelnden Arztes oder des Öffentlichen Gesundheitsdienstes einen Testanspruch mittels PCR-Test. Zahnärzten ist nicht erlaubt, Kontaktpersonen oder Personen nach Auftreten eines Infektionsgeschehens zu testen sowie im Rahmen einer Labordiagnostik den direkten oder indirekten Nachweis des Coronavirus zu führen.

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Produkt-Kennzeichnungen bei Medizinischen Handschuhen beachten

  • Die Landeszahnärztekammer Thüringen verfügt über Hinweise auf einen Lieferengpass besonders bei Einmalhandschuhen in den kommenden Monaten.
  • Die Kammer empfiehlt ein langfristiges Materialmanagement für alle Einwegartikel zum Arbeitsschutz.
  • Beim Kauf von Handschuhen sollten Zahnarztpraxen auf die Produkt-Kennzeichnungen CE, DIN EN 455, DIN EN 374 und einen passenden AQL-Wert achten.


Medizinische Handschuhe dienen der allgemeinen Hygiene und der Vermeidung von Infektionen sowohl zum Schutz des Anwenders als auch zum Schutz des Patienten.

Wie alle Artikel der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) müssen auch die Handschuhe grundsätzlich mit einer CE-Kennzeichnung versehen sein, sonst dürfen sie im Europäischen Wirtschaftsraum nicht in Verkehr gebracht werden. Mit der CE-Kennzeichnung bescheinigt der Hersteller, dass sein Produkt den europäischen Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen entspricht.

Medizinische Einmalhandschuhe werden gemäß der Norm DIN EN 455 auf Dichtigkeit, physikalische Eigenschaften, biologische Bewertung (z.B. Proteingehalt, Endotoxingehalt) und Mindesthaltbarkeit getestet.

Zusätzlich gibt der AQL-Wert (Acceptable Quality Level) an, wie groß der Anteil fehlerhafter Handschuhe in einer stichprobenartigen Prüfung innerhalb einer Produktionscharge ist. Medizinische Einmalhandschuhe für die Zahnarztpraxis dürfen einen AQL-Wert von höchstens 1,5 aufweisen. Werte darüber sind für den Gebrauch in der Zahnarztpraxis unzulässig.

Außerdem müssen Medizinische Einmalhandschuhe auch der Norm DIN EN 374 zum Schutz vor Mikroorganismen und Chemikalien entsprechen:
- Eine Kennzeichnung mit dem Piktogramm DIN EN 374-2 gegen bakteriologische Kontamination zeigt an, dass die Handschuhe wirksam gegen Bakterien und Pilzsporen schützen. Sie schützen jedoch nicht vor Viren, die wesentlich kleiner sind als Bakterien und Pilzsporen.
- Die Kennzeichnung mit dem Piktogramm DIN EN 374-3 gegen Chemikalien unterscheidet zwei Arten von Handschuhen:
  1.) Einfache Schutzhandschuhe mit einfachem Chemikalienschutz bieten einen Spritzschutz, sind wasserdicht und können gegen Chemikalien schützen. Sie sind im Piktogramm mit einem Becherglas gekennzeichnet.
  2.) Vollwertige Schutzhandschuhe hingegen schützen vor mindestens drei von zwölf Prüfchemikalien für mindestens 30 Minuten. Die Handschuhe sind im Piktogramm gekennzeichnet mit einem Erlenmeyerkolben, unter dem verschiedene Kennbuchstaben die geprüften Chemikalien angeben.

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Testung auf einen direkten Erregernachweis

Mit der geänderten Coronavirus-Testverordnung vom 15. Oktober 2020 hat das Bundesgesundheitsministerim auch die Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzte in die Testung auf einen direkten Erregernachweis des Coronavirus eingebunden.

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Leitlinie zum Umgang mit zahnmedizinischen Patienten bei Belastung mit Aerosol-übertragbaren Erregern

  • Die DGZMK hat eine S1-Leitlinie zum Umgang mit zahnmedizinischen Patienten bei Belastung mit Aerosol-übertragbaren Erregern veröffentlicht.
  • Die Leitlinie enthält Erkenntnisse und Empfehlungen zum Schutz von Personal und Patienten vor einer Infektion mit Coronavirus, zur Aerosolbildung in Zahnarztpraxen, zur Schutzwirkung durch Masken und Behandlungskautelen sowie zu zahnärztlichen Notfällen bei corona-infizierten und symptomatischen Patienten.
Leitlinie zum Umgang mit zahnmedizinischen Patienten
bei Belastung mit Aerosol-übertragbaren Erregern ⧉

AG der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften / www.awmf.de


Die Ausbreitung des Coronavirus stellt Zahnärztinnen, Zahnärzte und zahnmedizinisches Fachpersonal weiterhin vor große Herausforderungen. Federführend hat die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) mit anderen medizinischen Fachgesellschaften sowie zusammen mit der Bundeszahnärztekammer und weiteren zahnärztlichen Organisationen eine Leitlinie „Umgang mit zahnmedizinischen Patienten bei Belastung mit Aerosol-übertragbaren Erregern“ veröffentlicht.

Die S1-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gibt Zahnärzten und Praxisteams aktuelle Handlungsempfehlungen. Sie zielt darauf ab, mehr Sicherheit im Spannungsfeld zwischen Virusepidemiologie, zahnärztlicher Versorgung sowie Patienten- und Mitarbeiterschutz zu erhalten.

Schwerpunkte der Leitlinie bilden die Patiententriage mit Risikoabschätzung von Verdachtsfällen, organisatorische Schutzempfehlungen sowie Hinweise zu Behandlungskautelen und persönlicher Schutzausrüstung. Insbesondere enthält die Leitlinie zusammengefasste Erkenntnisse und Empfehlungen
- zum Schutz von Personal und Patienten vor einer Infektion mit Coronavirus,
- zur Aerosolbildung in Zahnarztpraxen, sowie Antiseptika mit begrenzt viruzider Wirkung,
- zur Schutzwirkung durch Masken und Behandlungskautelen sowie
- zu zahnärztlichen Notfällen bei corona-infizierten und symptomatischen Patienten.

Gemäß der Leitlinie können bei zahnärztlichen Maßnahmen durch den Rückprall von Spraynebel durch Kühlwasser oder Pulverstrahl belastete Aerosole entstehen. Die bisherige Evidenzlage reicht zwar nicht aus, um eine aerogene Übertragung des Coronavirus bei zahnärztlichen Behandlungen zu bestätigen oder auszuschließen. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes soll dennoch die Entstehung und Verbreitung dentaler Spraynebel reduziert werden. Dies soll vorrangig durch eine effiziente, hochvolumige Absaugung erfolgen.

Da sich eine Emission von Tröpfchen und Aerosolen aus der Mundhöhle eines Patienten jedoch nie vollständig verhindern lässt, sind zusätzliche Maßnahmen zur Minimierung des Übertragungsrisikos unumgänglich. Antiseptische Mundspülungen können dazu beitragen, die Anzahl intraorale Erreger deutlich zu reduzieren. In Abhängigkeit von Art und Umfang der Exposition und des Infektionsrisikos ist zudem die persönliche Schutzausrüstung konsequent und ordnungsgemäß zu tragen. Die zusätzliche Verwendung von Gesichtsvisieren/Schutzschilden bei der zahnärztlichen Behandlung erhöht die Sicherheit.

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Betriebsanweisung und Gefährungsbeurteilung

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Hygiene- und Schutzmaßnahmen in der Zahnarztpraxis

1. Für den zahnärztlichen Praxisalltag werden weiterhin die üblichen Standard-Hygienemaßnahmen mit Mund-Nase-Schutz, Handschuhen sowie Händehygiene mit korrekter Händedesinfektion unter Beachtung der Einwirkzeit als ausreichend angesehen.

Der Anamnese-Erhebung kommt zur Begrenzung des Infektionsrisikos große Bedeutung zu. Die diesbezüglichen Vorgaben für Zahnarztpraxen sind im Hygieneplan, den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim RKI „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde – Anforderungen an die Hygiene“ sowie der Technischen Regel für biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250) festgehalten.

2. Die Behandlung von Patienten mit Symptomen einer akuten respiratorischen Erkrankung der unteren Atemwege (Husten, Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Atembeschwerden und Luftnot, Müdigkeit, Appetitlosigkeit) sollte auf die Zeit nach Ende der Erkrankung verschoben werden, sofern es sich nicht um Notfälle handelt. Diese Patienten sind zur Sicherung der Diagnose und ggf. Einleitung einer Therapie an den Hausarzt zu verweisen.

3. Für die Behandlung gesichert diagnostizierter oder unter dringendem Corona-Verdacht stehender Patienten in Krankenhäusern sind erweiterte Schutzmaßnahmen (beispielsweise geschlossener Schutzkittel, Kopfhaube und FFP-Schutzmaske) angezeigt. Für unaufschiebbare zahnärztliche Behandlungen gelten die Vorsichtsmaßnahmen gemäß BioStoffV und GefStoffV:

  • räumliche oder organisatorische Trennung der erkrankten Patienten von den Patienten der Normalsprechstunde,
  • persönliche Schutzausrüstung für das Personal (Schutzbrille mit Seitenschutz; Atemschutzmaske FFP2; unsterile Handschuhe; langärmliger Schutzkittel; Kopfhaube kann Schutz erhöhen; für Reinigungsarbeiten Schutzhandschuhe nach DIN EN 374 mit längeren Stulpen),
  • Patienten nach Betreten der Praxis für die Wartezeit einen Mund-Nasen-Schutz aushändigen und zum Tragen anhalten,
  • Patienten vor Verlassen des Sprechzimmers zum Desinfizieren der Hände anhalten,
  • Schutzkleidung nach Beendigung der Behandlung kontaminationsfrei ablegen.

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Praktische Tipps zu erweiterten Hygienemaßnahmen

  • Ein festes Abfrageschema für den Praxisempfang gibt Hilfestellung zum Umgang mit dem neuartigen Coronavirus.
     ⯈ Abfrage- und Entscheidungsdiagramm für den Praxisempfang  (pdf; 369 kB)
  • Kinderspielzeug sollte aus dem Wartezimmer entfernt werden.
  • Die Besetzung des Wartezimmers sollte stark ausgedünnt werden. Längerfristig wartende Patienten (insbesondere Eltern mit Kindern) können die Praxisräume für einen kurzen Spaziergang zwischenzeitlich verlassen.
  • Aus dem Wartezimmer sollten einzelne Stühle entnommen und die verbleibenden Stühle weiter auseinandergestellt werden, um einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen wartenden Patienten sicherzustellen. Ersatzweise können Patienten gebeten werden, nur jeden zweiten oder dritten Stuhl zu besetzen.
  • Der aktualisierte Patientenhinweis kann Patienten bereits am Praxiseingang nach Anhaltspunkten für eine mögliche Coronvirus-Infektion befragen:
     ⯈ Patientenhinweis für den Praxiseingang  (pdf; 45 kB)
     ⯈ Patientenhinweis (englisch) für den Praxiseingang  (pdf; 48 kB)
     ⯈ Poster Hygienehinweise für die Praxis (pdf; 387 kB)
  • Am Praxiseingang sollte eine Station zur Händedesinfektion eingerichtet werden. Falls ein Patient dieser Einladung nicht freiwillig nachkommt, sollte er ausdrücklich zum Händewaschen aufgefordert werden.
  • Auf dem Fußboden können Linien aus farbigem Klebestreifen oder Teppichklebeband den erweiterten Abstand zwischen Personen sichtbar machen. Dies vermeidet beispielsweise einen engen Kontakt zwischen Patient und Praxispersonal bereits am Empfangstresen.
  • Ein Schichtarbeitsplan für Praxisangestellte kann den ständigen Kontakt auch innerhalb des Praxispersonals verringern und zugleich freie Arbeitszeiten wegen Terminabsagen durch Patienten entzerren. Zwischen den einzelnen Schichten ist eine gegenseitige Information und Übergabe des Praxisbetriebes notwendig.


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Erweiterte Empfehlung für zahnärztliche Behandlungen:
Entstehung von Aerosolen weitgehend verhindern

Aufgrund der aktualisierten Einschätzung des Robert-Koch-Institutes zu den Übertragungswegen des Coronavirus empfiehlt die Landeszahnärztekammer Thüringen, die Entstehung von Aerosolen in zahnärztlichen Behandlungen weitgehend zu verhindern.

Dabei steht eine wirksame Absaugtechnik im Vordergrund. Ferner sollte folgendes berücksichtigt werden:

  1. Die Verwendung von Schall- und Ultraschallgeräten sollte vermieden werden.
  2. Die Verwendung von Pulverstrahlgeräten sollte vermieden werden.
  3. Die Verwendung von Turbinen sollte vermieden werden.
  4. Antiseptische Mundspülungen können dazu beitragen, eine Infektionsübertragung zu minimieren. Hierbei gibt es Hinweise, dass in Bezug auf das Coronavirus eine 1-prozentige H2O2-Lösung wirkungsvoller als CHX ist.
  5. Die üblichen Schutzmittel (MNS-Maske, Handschuhe) sollten konsequent und ordnungsgemäß getragen werden.
  6. Die zusätzliche Verwendung von Visieren/Schutzschilden bei der zahnärztlichen Behandlung kann die Sicherheit weiter erhöhen.
  7. Jede Form der Behandlung von Risikogruppen (Senioren älter als 70 Jahre, multimorbide Patienten, immunsupprimierte oder immunreduzierte Patienten oder anders einschlägig gesundheitlich vorgeschädigte Patienten) sollte auf ein absolut notwendiges Minimum von Schmerz- bzw. Notbehandlungen reduziert werden.

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Eigenverantwortung und Freiheit des Zahnarztes
zur zahnmedizinischen Behandlung stehen im Vordergrund

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat sich durch die seit März verhängten staatlichen Maßnahmen deutlich verlangsamt. Die Zahl der Neuinfektionen geht glücklicherweise zurück. Auch Thüringer Zahnarztpraxen haben mit ihrem verantwortungsvollen Handeln einen Anteil an dieser ermutigenden Entwicklung.

Dennoch wird der Coronavirus auch die Zahnmedizin noch über eine längere Zeit begleiten. Zahnarztpraxen müssen deshalb aktuell und langfristig mit dieser herausfordernden Situation umgehen.

Neben dem Gesundheitsschutz aller Praxisbeschäftigten und organisatorischen Maßnahmen der Praxisführung zur Eindämmung der Corona-Pandemie muss ein Hauptaugenmerk nun wieder verstärkt auf der Gesundheit der Patienten liegen. Die unbestritten notwendigen und wichtigen Maßnahmen dürfen nicht zu einer Verschlechterung der Zahn- und Mundgesundheit der Bevölkerung führen.

Deshalb gilt:

  • Notwendige zahnmedizinische Untersuchungen, Präventionsmaßnahmen und Behandlungen können risikoadaptiv durchgeführt werden. Sie sind nicht beliebig zeitlich verschiebbar.
  • Liegt eine zahnmedizinische Behandlungsbedürftigkeit vor, können unter Einhaltung der üblichen Hygienevorgaben sowie unter Berücksichtigung der ergänzenden Hygieneempfehlungen grundsätzlich alle Diagnosen und Therapien von Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen ausgeführt werden. Dies gilt insbesondere für Patienten ohne nachgewiesene Coronavirus-Infektion oder Verdacht darauf.
  • Aufgrund der Einschätzung des Robert-Koch-Institutes zu den Übertragungswegen des Coronavirus sollten jedoch weiterhin aerosolintensive Behandlungstechniken möglichst vermieden und durch andere Verfahren ersetzt werden.
  • Bei Patienten mit Risikofaktoren (hohes Alter, kardiale Vorerkrankungen, pulmonale Vorerkrankungen (z. B. Asthma, chronische Bronchitis), chronischen Lebererkrankungen, Diabetes mellitus sowie onkologische bzw. immunsupprimierte oder immunreduzierte Patienten) sollte eine zahnmedizinische Behandlung weiterhin nur in unaufschiebbaren Fällen erfolgen. Die Behandlungsindikationen bei diesen Patienten sollen vor allem bei elektiven Eingriffen sehr sorgfältig geprüft werden. Davon unbenommen müssen Schmerz- und Notfallbehandlungen unter Berücksichtigung der besonderen Umstände durchgeführt werden.
  • Die Behandlung gesichert corona-diagnostizierter oder unter Quarantäne stehender Patienten sollte in speziell ausgestatteten Schwerpunktpraxen erfolgen. Die Praxen und deren Kontaktdaten sind im geschützten Internetbereich der KZV Thüringen einsehbar.


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GOZ-Hygienepauschale bis 31. März 2021 verlängert

  • Die privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen haben ihre Erstattung der GOZ-Hygienepauschale im 1,0-fachen Basissatz über 6,19 Euro für PKV-Versicherte, Beihilfeberechtigte sowie Patienten mit privater Zahnzusatzversicherung bis zum 31. März 2021 verlängert.
  • Zahnärzte können zur Abrechnung des Hygienezuschlags weiterhin die Gebührennummer 3010 GOZ analog zum 1,0-fachen Satz je Behandlungssitzung nutzen. Auf der Privatrechnung ist die Gebührennummer mit der Erläuterung „3010 analog – erhöhter Hygieneaufwand“ zu versehen. Die alleinstehende Berechnung des Zuschlages an GKV-Patienten ohne eine weitergehende Behandlung im Rahmen der GOZ ist nicht zulässig.
  • Die Abbildung des erhöhten Hygieneaufwandes ist alternativ auch über die Anpassung des Steigerungsfaktors für besondere Umstände bei der Behandlung nach § 5 Abs. 2 GOZ möglich. In diesem Fall ist die zusätzliche Berechnung der GOZ-Hygienepauschale nicht zulässig.
  • Ebenso kann der erhöhte Hygieneaufwand im Rahmen einer freien Vereinbarung nach § 2 Abs. 1 GOZ liquidiert werden. Diese muss vor dem Beginn der Behandlung mit dem Patienten schriftlich abgeschlossen werden.


Die von der Bundeszahnärztekammer, dem Verband der Privaten Krankenversicherungen und den Beihilfestellen von Bund und Ländern vereinbarte Erstattung einer zusätzlichen Hygienepauschale nach GOZ-Gebührenposition 3010a wird durch PKV und Beihilfe über das Jahresende 2020 hinaus bis zum 31. März 2021 verlängert. PKV-Versicherte, Beihilfeberechtigte sowie Patienten mit privater Zahnzusatzversicherung erhalten für Behandlungstermine in diesem Zeitraum weiterhin eine Pauschale in Höhe des 1,0-fachen GOZ-Basissatzes von 6,19 Euro erstattet.

Bereits Anfang April 2020 hatten sich BZÄK, PKV und Beihilfe im gemeinsamen Beratungsforum für Gebührenordnungsfragen auf eine Extravergütung im 2,3-fachen Standardsatz mit 14,23 Euro pro Behandlungssitzung verständigt, um die in der Coronavirus-Pandemie deutlich gestiegenen Kosten für Schutzkleidung und Desinfektionsmaterialien abzufedern. Diese Regelung war zum Kalenderquartal IV/2020 zwar verlängert, die Erstattungshöhe allerdings auf den 1,0-fachen Basissatz reduziert worden.

Landeszahnärztekammer Thüringen und Bundeszahnärztekammer sind weiterhin der Ansicht, dass die jetzige Pauschale den erhöhten Hygieneaufwand bei zahnärztlichen Behandlungen nicht ausreichend berücksichtigt. Die BZÄK setzt sich daher in ihren Verhandlungen unverändert für eine Rückkehr zum früheren Erstattungsbetrag ein.

Zusammenfassend können in privatzahnärztlichen Behandlungen die pandemiebedingt deutlich erhöhten Hygienekosten über drei Möglichkeiten berechnet werden:

  1. Anwendung eines erhöhten Steigerungssatzes für besondere Umstände bei der Behandlung nach § 5 Abs. 2 GOZ. In diesem Fall ist die zusätzliche Berechnung der GOZ-Hygienepauschale nicht zulässig.
  2. Freie Vereinbarung mit dem Patienten nach § 2 Abs. 1 GOZ. Diese muss vor dem Beginn der Behandlung mit dem Patienten schriftlich abgeschlossen werden.
  3. Nutzung der Gebührennummer 3010 analog zum 1,0-fachen Satz.

Welchen Weg der Zahnarzt wählt, ist seiner unternehmerischen Entscheidung unter Berücksichtigung der individuellen betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten vorbehalten.

Die erhöhten Kosten der Praxishygiene können je nach Höhe der Gebühr entweder ein Teil der Begründung eines erhöhten Steigerungssatzes oder deren alleinige Begründung sein. Eine alleinige Begründung ist jedoch pro Behandlungssitzung nur bei einer der erbrachten Leistungen und nicht bei zusätzlich erbrachten Begleitleistungen möglich.


Beschluss Nr. 37 des Beratungsforums für Gebührenordnungsfragen:
Zur Abgeltung der aufgrund der COVID-19-Pandemie immer noch bestehenden erhöhten Aufwände für Schutzkleidung etc. kann der Zahnarzt die Geb.-Nr. 3010 GOZ analog zum Einfachsatz (= 6,19 Euro), je Sitzung, zum Ansatz bringen. Auf der Rechnung ist die Geb.-Nr. mit der Erläuterung „3010 analog - erhöhter Hygieneaufwand“ zu versehen. Dem entsprechend kann ein erhöhter Hygieneaufwand dann jedoch nicht gleichzeitig ein Kriterium bei der Faktorsteigerung nach § 5 Abs. 2 darstellen. Dieser Beschluss tritt am 1. Januar 2021 in Kraft und gilt befristet bis zum 31. März 2021. Er erfasst alle in diesem Zeitraum durchgeführten Behandlungen.

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Wiederaufnahme von Routinebehandlungen in Senioren- und Pflegeheimen

Die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin empfiehlt, Menschen mit Pflegebedarf nicht wie zwischenzeitlich nur in Notfallsituationen, sondern in enger Absprache mit den Einrichtungsleitungen wieder regulär zahnmedizinisch zu betreuen.

Pflegende und die Angehörige können darauf hingewiesen werden, dass der Mund schon immer ein infektionsträchtiger Ort war und dass zahnärztliche Teams darin geübt sind, ihre Patienten und sich selbst zu schützen. Die Sorge um Covid-19-Erkrankungen darf bei den jetzigen Infektionszahlen kein Grund sein, pflegebedürftige Menschen zahnmedizinisch zu vernachlässigen.

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Landeszahnärztekammer widerspricht WHO-Empfehlung zu Verzicht auf Zahnarztbesuche

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät in einem ihrer Berichte dazu, auf Zahnarztbesuche zu verzichten, wenn kein Notfall vorliegt. Landeszahnärztekammer Thüringen und Bundeszahnärztekammer (BZÄK) treten dem entschieden entgegen.

  • Die WHO empfiehlt in einem ihrer letzten Berichte, Zahnarztbesuche – bis auf Notfälle – zu vermeiden. Dabei werden keine länderspezifischen Unterschiede gemacht. 
  • Die Landeszahnärztekammer Thüringen, wie auch die BZÄK, sehen darin eine globale Empfehlung, die auf die Situation in Deutschland interpretiert werden muss.  

Mit ihrem Bericht stellt die WHO fest, dass alle Zahnarztbesuche, abgesehen von Notfällen, verschoben werden sollen, da ein erhöhtes Infektionsrisiko durch Aerosole besteht. 

Die Landeszahnärztekammer Thüringen hat bereits umfangreiche Empfehlungen gegeben, um die Aerosolbildung in den Praxen zu verringern bzw. gänzlich auszuschließen. Außerdem herrschen in Deutschland extrem hohe Hygienestandards vor, die nicht mit den Standards in anderen Ländern zu vergleichen sind. 

Die BZÄK stellt in ihrer Pressemitteilung klar, dass der veröffentlichte Bericht der WHO auf die spezielle Situation in Deutschland interpretiert werden muss. Dazu ist nicht nur die Infektionslage zu berücksichtigen, sondern auch die strengen Hygieneempfehlungen und die moderne Praxisausstattung in deutschen Zahnarztpraxen. Die Landeszahnärztekammer Thüringen schließt sich der Ansicht ausdrücklich an. Der Präsident, Dr. Christian Junge, hat sich im Vorstand der BZÄK dafür eingesetzt, diesen Bericht richtig zu stellen. Mittlerweile hat die BZÄK die offizielle Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums. Außerdem wurde bei der WHO interveniert. So wurde kurzfristig von der WHO die Antwort erteilt, dass der Bericht auf eine Verzögerung des Übertragungsszenario abstellt, welches in den meisten europäischen Ländern nicht zur aktuellen Situation passt. Auf eine ausdrückliche und öffentliche Klarstellung wird weiter hingearbeitet.

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Weiterführende Informationen und Downloads

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Ansprechpartner

Zahnärztin Dr. Anne Bauersachs
Vorstandsreferentin für Praxisführung
E-Mail

Sandra Bäumer
Praxisführung, BuS-Dienst, Validierung, Hygiene
Telefon 0361 7432-133
E-Mail

Michael Westphal
Recht, Justiziariat
Telefon 0361 7432-112
E-Mail


Die vorstehenden Handlungsempfehlungen geben unverbindliche Vorschläge, Muster, Erläuterungen und Anhaltspunkte zur individuellen Umsetzung in der Zahnarztpraxis. Die benannten Maßnahmen und Arbeitsabläufe müssen deshalb vom Praxisinhaber überprüft und den jeweiligen Praxisverhältnissen vor Ort angepasst werden. Die Landeszahnärztekammer Thüringen übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Angaben.

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